Marketing Barometer September 2009

Marketing-Entscheider sehen Licht am Horizont

Aufwärtstrend bei Auftraggebern und Auftragnehmern / Frage des Monats: Marketing-Experten stellen Politikern für den Wahlkampf ein Armutszeugnis aus

 

Das erste Marketing Barometer des Marketing Club Frankfurt zeichnet ein einheitliches Stimmungsbild: Es geht langsam aufwärts. Die Marketing-Experten sehen Licht am Horizont, aber noch kein Ende der Krise. Doch die Tendenz ist  positiv.

Besonders Agenturen und andere Dienstleister, also die Auftragnehmer, sind optimistisch. Der Indexwert zeigt hier im Durchschnitt eine "10". Auftraggeber sehen die Konjunktur noch etwas verhaltener und kommen nur auf einen Indexwert von "3". Mit einem Gesamtwert von "7" überwiegt in Summe jedoch eine sich spürbar bessernde Stimmung im Marketing.

Gefragt wurde nach der aktuellen Geschäftslage, den Erwartungen bei den Marketing-Budgets und der künftigen Geschäftsentwicklung.

Auf die "Frage des Monats" nach dem Bundestagswahlkampf aus Marketing-Sicht reagierten die Experten mit klaren und durchaus harten Worten: Kein USP, keine Positionierung, keine Botschaften. 80 Prozent der Befragten sahen das Marketing-Instrumentarium nicht ausreichend genutzt und stellten der Politik ein Armutszeugnis aus. Der Wahlkampf polarisierte vor allem im Hinblick auf fehlende Inhalte und schwammige Aussagen. Die neuen Medien seien nicht sinnvoll eingesetzt worden, von einem Obama-Effekt im Online-Marketing sei keine Spur gewesen. Auftraggeber (83 Prozent) und Auftragnehmer (78 Prozent) waren sich weitgehend einig.

Lesen Sie auch den Kommentar von Nestlé Deutschland-Chef Gerhard Berssenbrügge.

Ausführliche Informationen zum Marketing Barometer gibt es bei: HORIZONT.

Fachliche Beratung und Konzeption: Dr. Ottmar Franzen, Konzept & Markt GmbH.

 


Detailauswertung mit Auftraggeber- und Auftragnehmer-Index

Marketing Barometer September 2009 Frage des Monats Antwort Prozent
Gesamt-Index 7 Alle Befragten JA
NEIN
20%
80%
Auftraggeber-Index 3 Auftraggeber JA
NEIN
17%
83%
Auftragnehmer-Index 10 Auftragnehmer JA
NEIN
22%
78%


Frage des Monats

Wie nehmen Sie den Bundestagswahlkampf wahr? Glauben Sie, dass die Parteien das Marketing-Instrumentarium in ausreichender Weise anwenden?

Ausgewählte Antworten der Marketing-Experten:

"Der Wahlkampf war – eigentlich wie immer – auf die gleichen Medien beschränkt, nur weniger kompetitiv als beim letzten Mal."

Holger Lutz, MCF-Vorstand Marketing

"Mehr neue Medien, mehr klare Abgrenzung."

"Inhaltliche Schwerpunkte werden zu wenig transparent dargestellt."

Detlef Braun, Geschäftsführer, Messe Frankfurt Exhibition GmbH

"Aus einem schlechten, austauschbaren Produkt kann auch die beste Kommunikation keinen Top-Seller machen. Daher passt das altbackene Vorgehen gut zu den langweiligen, tausendfach gehörten Inhalten."

Michael Geiss, Vorstand, thema communications AG

"Zu wenig Online Marketing. Keine Innovation. Kein USP. Wo unterscheiden sich die Parteien und wo nicht."

Christoph Fay, Leiter Konzern Hochschulmarketing, Deutsche Lufthansa AG

"Die Form steht maßgeblich vor den Inhalten. Die Medienpräsenz hat sich die die letzten Jahre so professionalisiert, dass wir fast nur noch Stereotypen von Berufspolitikern erleben."

"Der Marketing-Mix im Wahlkampf ist weiterhin sehr an althergebrachten, eingefahrenen klassischen Maßnahmen orientiert - und spart z.B. die Chancen der Online-Kommunikation weitestgehend aus. Insbesondere für jüngere Zielgruppen eine verpasste Chance!"

Fabian Fischer, Geschäftsführer, mediaman

"Der direkte Dialog wird nur selten genutzt. Die Kreationen lassen sehr zu wünschen übrig. Ferner fehlt es an einer segmentierten Ansprache, die an den demographischen Wandel angelehnt ist."

Martin Jacobi, Geschäftsführer, EGRO Direktwerbung GmbH

"Z.T. unprofessionelle Umsetzung der Wahlbotschaften in die versch. medialen Kanäle. Keine klare Positionierung der unterschiedlichen Parteien. Keine crossmediale Umsetzung der Kommunikation; jüngere Zielgruppen werden so wenig erreicht. Schlechte Webpräsenz der Parteien; z.T. findet keine offene Diskussion in Blogs statt und negative Kommentierungen werden z.T. gar nicht erst veröffentlicht."

Verena Hilss, Director Network Marketing, DPD Deutscher Paket Dienst GmbH & Co. KG

"Vor allem fehlt es am Alleinstellungsmerkmal: Wenn sich Parteien, die zum Teil laut eigener Aussage noch nicht einmal miteinander koalieren würden, sich dermaßen ähnliche Slogans entwickeln lassen wie Deutschland kann es besser", "Unser Land kann mehr" und "Wir haben die Kraft" muss irgendetwas schief gelaufen sein..."

Anette M. Quentel, Partnerin, Fremde Federn · Köddermann & Quentel GbR

"Es ist ein Graus wie sehr es die Politik ignoriert, dass man als Dienstleister (des Volkes) im Dialog mit seinem Kunden (den Wählern) stehen muss. Und zwar jederzeit und nicht nur in den wenigen Wochen vor einer Wahl (wenn es darum geht, wieder beauftragt zu werden)."

Martin Schitto, Geschäftsführer, Schitto Schmodde Werbung GmbH

"Kein Inhalt, keine Polarisierung."

"Der Wahlkampf ist generell inhaltsleer. Wer nichts zu erzählen hat, sich nicht zu Zugeständnissen und verbindlichen Aussagen hinreißen lassen möchte, der schweigt. Die klassischen Wahlkampfkanäle locken in Zeiten von Obama oder Wahlkampf 2.0 kaum noch jemanden hinter dem Ofen vor. Vielmehr empfinden viele die Vielzahl der Plakate und namenlosen Gesichter als störend."

Marc Rosenfeld, Vorstand Deutscher Marketing-Verband, DMV Präsidium

"Die etablierten Parteien haben nichts vom Marketing gelernt. Ausgerechnet nur Die Linke führt einen auf ihre Inhalte zugesptizten Wahlkampf. Die Linke macht den Anderen professionelle Proflierung und Markenführung vor. Leider für die falsche Sache, aber vielleicht lernen die etablierten Parteien vom Erfolg des Marketing auch im Wahlkampf."

Patrick W. Diemer, Vorsitzender der Geschäftsführung, Lufthansa AirPlus Servicekarten GmbH

"Noch immer sind die Botschafter zu wenig Empfänger-orientiert und kurzfristig angelegt."

Gabriele Eick, Kuratoriumsvorsitzende Marketing Club Frankfurt, Executive Communications

"Marketing-Tools der Parteien sind nicht auf dem neuesten Stand."


Über das Frankfurter Marketing Barometer®:

Seit vielen Jahren dienen Indices zum Geschäftsklima der Bewertung der Konjunktur. Ihre Relevanz gewinnt insbesondere in wirtschaftlich unsicheren Zeiten an Bedeutung.

Als Marktführer innerhalb des Deutschen Marketing-Verbands repräsentieren wir mit unseren knapp 1.000 Mitgliedern, darunter hochkarätige Marketing-Entscheider, Wirtschaftsführer und Multiplikatoren, unsere Branche.

Das Rhein-Main-Gebiet mit der „Marketing-Hauptstadt Frankfurt“ steht darüber hinaus für die wirtschaftsstärkste und international bestens vernetzte Dienstleistungsregion in Deutschland. Mit dem Frankfurter Marketing Barometer® ermittelt der Marketing Club Frankfurt einen Frühindikator für die wirtschaftlichen Erwartungen im Marketing. Marketiers nehmen wirtschaftliche Veränderungen besonders frühzeitig wahr: Beim drohenden Abschwung werden als erstes die Marketing-Budgets gekürzt, beim zarten Aufschwung florieren die Marketing-Investitionen – Marketiers sind Seismologen der Wirtschaft.

Die Idee besteht darin, die Marketingkonjunktur als Frühindikator wirtschaftlicher Prosperität zu deuten. Dabei unterscheiden wir zwischen Marketing-Auftraggebern und -Auftragnehmern. Zusätzlich zur Abfrage der Wirtschaftsstimmung bzw. -erwartung stellen wir eine aktuelle Frage zu einem Tagesthema. Als Medienpartner für die Veröffentlichung des Marketing Barometer konnten wir HORIZONT gewinnen, die das Thema auch redaktionell aufbereiten. Die Umfrage findet einmal im Monat online statt und dauert nicht länger als eine Minute.


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