Marketing Barometer Juni 2010
Marketing-Barometer steigt wieder - doch es gibt noch viel zu tun
83 Prozent der Marketing-Experten halten die Glaubwürdigkeit von CSR-Aktivitäten für unzureichend

„Corporate Social Responsibility (CSR) gehört mittlerweile zum Marketing-Repertoire. Reichen die Maßnahmen zur Übernahme sozialer Verantwortung aus, um die erwünschte Glaubwürdigkeit zu erzielen?“ Diese Frage beschäftigte im Juni die Marketing-Experten des Marketing Club Frankfurt. Die Antwort ist eindeutig: Für 83 Prozent der Befragten gibt es in Sachen CSR noch einiges zu tun.
„Unternehmen tragen Verantwortung, nicht nur für sich und ihre Mitarbeiter, sondern auch für die Gesellschaft“, so Claudio Montanini, Präsident des Marketing Club Frankfurt. „CSR ist das Instrument in der Klaviatur des Marketings, das diesen Teil abdeckt. Die Kunst dabei ist, die Maßnahmen passend zum eigenen Unternehmen zu wählen, sonst wirkt es schnell unglaubwürdig und kann sogar das Gegenteil bewirken. Es ist unsere Aufgabe als Marketiers, die Chancen von Corporate Social Responsibility in der Zukunft noch besser zu nutzen.“
Insgesamt scheint am Marketing-Himmel langsam wieder die Sonne. Nach einer leichten Eintrübung im Mai hat die Stimmung sich wieder aufgehellt. Mit 47 Punkten wurde sogar der bisherige Höchstwert aus dem April (45 Punkte) noch einmal übertroffen. Sommer-Sonne also nicht nur draußen, sondern in den Köpfen der Marketing-Experten. Mit einem Wert von 50 Punkten zeigen sich die Auftraggeber für Marketing-Dienstleistungen dabei noch deutlich optimistischer als die Auftragnehmer (Wert = 43).
Erfreulich ist, dass mehr als 50 Prozent der Befragten die derzeitige und die zukünftige Geschäftslage wieder optimistisch einschätzen. Damit lassen die Juni-Ergebnisse die Hoffnung keimen, dass die leichte Eintrübung des Konjunkturhimmels im Mai nur eine kurzfristige klimatische Störung war.
Ausführliche Informationen zum Marketing Barometer gibt es bei: HORIZONT.
Fachliche Beratung und Konzeption: Dr. Ottmar Franzen, Konzept & Markt GmbH.
Das letzte Marketing Barometer finden Sie im Archiv.
Detailauswertung mit Auftraggeber- und Auftragnehmer-Index
| Marketing Barometer | Juni 2010 | Frage des Monats | Antwort | Prozent |
| Gesamt-Index | 47 | Alle Befragten | JA NEIN |
17% 83% |
| Auftraggeber-Index | 50 | Auftraggeber | JA NEIN |
15% 85% |
| Auftragnehmer-Index | 47 | Auftragnehmer | JA NEIN |
21% 79% |
Hier die Werte im Einzelnen:
Total:
Wie beurteilen Sie die derzeitige Geschäftslage in Ihrem Unternehmen?
gut 56% befriedigend 37% schlecht 6%
Wie schätzen Sie Ihre Erwartungen hinsichtlich der Marketing-Investitionen bei Ihren
Auftraggebern / Ihrem Unternehmen ein?
gut 37% befriedigend 56% schlecht 7%
Wie schätzen Sie die zukünftige Geschäftsentwicklung
Ihres Unternehmens ein?
gut 63% befriedigend 34% schlecht 3%
Frage des Monats
"Corporate Social Responsibility (CSR) gehört mittlerweile zum Marketing-Repertoire. Reichen die Maßnahmen zur Übernahme sozialer Verantwortung aus, um die erwünschte Glaubwürdigkeit zu erzielen?“
Ausgewählte Antworten der Marketing-Experten:
"Nein, die neue Diskussion um Nachhaltigkeit, was soziales, ökonomisches und umweltbezogenes Handeln in der Geschäftstätigkeit angeht, finde ich den richtigen Ansatzpunkt, um CSR erlebbar zu machen. Unter diesem Gesichtspunkt müssen sicherlich die Anliegen der Stakeholder in vielen Unternehmen überdacht und neu bewertet werden. Generell gibt es bei vielen Unternehmen noch Nachholbedarf."
Eugen Kern, Geschäftsführer, G2 Germany GmbH
"Nein, CSR ist in, darum ist es für viele eine Notwendigkeit, hier Aktivität zu zeigen. Leider habe ich nicht den Eindruck, dass die persönliche Überzeugung eines jeden Einzelnen dahinter steht. Ich bin überzeugt, da geht noch mehr, viel mehr! Wir sind auf einem guten Weg."
Janet-Cosima Timmerberg, B2B Consulting & Coaching
"Nein, die Maßnahmen sind taktisch abgezirkelt und sehr von der Konjunktur abhängig. Das ist nicht glaubwürdig."
Tobias Kirchhofer, Geschäftsführer, BlueMars
"Nein, um glaubwürdig zu sein, muss ein Unternehmen dies auch leben. Viele tun das nicht bzw. können es nicht umsetzen, weil sie entweder Konzepte wählen, die nicht zu ihnen passen oder zu hohe Ansprüche an sich stellen, die in der Realität gar nicht gelebt werden können. Lieber kleine Schritte in die richtige Richtung, als große ohne wohlüberlegtes Ziel."
Birgit Schramm, Leiterin Marke & Kommunikation, Deutsche Telekom Medien GmbH
"Nein, CSR ist leider oft nicht mehr als ein gut gemeintes, aber schlecht gemachtes Feigenblatt. CSR-Aktivitäten müssen zur Unternehmens- und vor allem Zielgruppenstrategie passen, um ihre volle Wirkung entfalten zu können."
Marcus Gebauer, Inhaber, cuinco© - Agentur für Customer Intelligence Consulting
"Nein, in der Mehrzahl wird CSR im Marketing nicht konsequent genug über alle Instrumente ausgenutzt, zudem fehlt häufig der nachvollziehbare Bezug. Ausnahmen bestätigen dies."
Markus Gotta, Bereichsgeschäftsführer, Deutscher Fachverlag GmbH
"Nein, CSR wird in einigen Unternehmen noch als Mittel zum Zweck oder Eigen-PR verstanden. Nur ein kontinuierliches, fest verankertes Engagement ist wirklich authentisch und zielführend."
Bianca Haag, Leitung Marketing und Kommunikation, Frankfurter Societäts-Medien GmbH
"Ja, die Maßnahmen sind ausreichend, meist jedoch nicht kosteneffektiv kommuniziert. Viele Unternehmen neigen dazu, mehr Mittel in die CSR-PR zu stecken als in die Maßnahme - wobei sich doch ein schlüssiges Konzept mit einem preiswerten Anschub als Selbstläufer verbreiten sollte."
Georg Johannes Löffel, gueldner // loeffel
"Nein, es gibt eine Flut von Gütesiegeln und Zertifikaten zu diesem Thema, da verliert der Verbraucher den Überblick. Ich fände hier eine zentrale Zertifizierungsstelle, die in den Hauptthemen Umwelt, Soziales und Mitarbeiter kompetent ist, eine große Hilfe. So eine Instanz, wie z.B. die Stiftung Warentest."
Dr. Ottmar Franzen, Geschäftsführer, Konzept & Markt GmbH
"Ja, viele Unternehmen kommen leider nicht über das Stadium einer Erstellung eines Corporate Social Responsibility Reports hinaus. Wirkliche Glaubwürdigkeit wird aber nur durch eine entsprechende Umsetzung erzielt. Hier sehe ich oftmals Defizite oder zumindest eine mangelnde Kommunikation."
Christian Kersten, Executive Director, Lufthansa AirPlus Servicekarten GmbH
"Nein, viele Firmen stehen erst am Anfang des Verstehens, was alles zu betrachten ist, um den Kriterien eines Social Responsible Unternehmens gerecht zu werden. Die Chancen, auch die ökonomischen, werden noch unterbewertet, die Kosten als unproduktiv vermieden."
Cordelia von Gymnich, Bereichsleiterin Kommunikations- und Freizeitmessen, Messe Frankfurt Exhibition GmbH
"Solange Corporate Social Responsibility als "Teil des Repertoirs" verstanden wird, also auswechselbar ist und taktisch verstanden wird, wie soll sie da glaubwürdig sein?"
Walter Lulay, Geschäftsführer, SMR Solid Marketing Research
"Dass etwas so Selbstverständliches wie soziale Verantwortung überhaupt zum Werbeargument wird! Leider lädt die Beliebtheit des Themas zu viel Wort ohne Tat ein. Die Zeit wird zeigen, was sich wirklich verändert - und was nicht."
Katharina Starlay, Corporate Imageberaterin + Modedesignerin, Starlay Corporate Couture
"Ja, viele Unternehmen haben das Thema erkannt und umarmt. Kontinuität ist entscheidend und deshalb gilt es mehr, begonnene Aktivitäten zu vertiefen und durchaus auch nach außen hin sichtbar zu machen."
Dipl.-Kfm. Ramona Qualitz, Senior Online Manager, T-Systems International GmbH
"Nein, CSR sollte weniger ein Marketingthema als ein Thema des Selbstverständnisses und Verantwortungsgefühls des Unternehmens sein. Es gehört zum Wertekanon."
Michael Meckel, Geschäftsführer, Trifels Verlag GmbH
"Nein, bestes Beispiel BP: Der Konzern wollte sich als grüner Konzern darstellen, bis das Desaster dazwischenkam. Bei CSR kommt es auch auf Nachhaltigkeit an."
Jörn Eickholt, Inhaber, Eickholt Consulting
"Nein, häufig werden die Maßnahmen mit Verkaufsaktivitäten verknüpft, was die Glaubwürdigkeit einschränkt."
Kerstin Pickny, Head of Events & Sponsorings I Marketing & Communications Germany Switzerland Austria, Ernst & Young GmbH
Über das Frankfurter Marketing Barometer®:
Seit vielen Jahren dienen Indices zum Geschäftsklima der Bewertung der Konjunktur. Ihre Relevanz gewinnt insbesondere in wirtschaftlich unsicheren Zeiten an Bedeutung.
Als Marktführer innerhalb des Deutschen Marketing-Verbands repräsentieren wir mit unseren knapp 1.000 Mitgliedern, darunter hochkarätige Marketing-Entscheider, Wirtschaftsführer und Multiplikatoren, unsere Branche.
Das Rhein-Main-Gebiet mit der „Marketing-Hauptstadt Frankfurt“ steht darüber hinaus für die wirtschaftsstärkste und international bestens vernetzte Dienstleistungsregion in Deutschland. Mit dem Frankfurter Marketing Barometer® ermittelt der Marketing Club Frankfurt einen Frühindikator für die wirtschaftlichen Erwartungen im Marketing. Marketiers nehmen wirtschaftliche Veränderungen besonders frühzeitig wahr: Beim drohenden Abschwung werden als erstes die Marketing-Budgets gekürzt, beim zarten Aufschwung florieren die Marketing-Investitionen – Marketiers sind Seismologen der Wirtschaft.
Die Idee besteht darin, die Marketingkonjunktur als Frühindikator wirtschaftlicher Prosperität zu deuten. Dabei unterscheiden wir zwischen Marketing-Auftraggebern und -Auftragnehmern. Zusätzlich zur Abfrage der Wirtschaftsstimmung bzw. -erwartung stellen wir eine aktuelle Frage zu einem Tagesthema. Als Medienpartner für die Veröffentlichung des Marketing Barometer konnten wir HORIZONT gewinnen, die das Thema auch redaktionell aufbereiten. Die Umfrage findet einmal im Monat online statt und dauert nicht länger als eine Minute.






