Marketing Barometer Mai 2010

Das Marketing-Wetter: leichte eintrübung, aber immer noch auf hohem niveau

Euro-Tief: Marketiers mit Krisenkommunikation unzufrieden

 

 

74 Prozent der Frankfurter Marketiers sind unzufrieden mit der Krisenkommunikation der Bundesregierung in der Euro-Krise.
Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Kontext des Frankfurter Marketing-Barometers®. Im Rahmen dieses Index, der einmal monatlich erhoben wird, stand diesmal als Frage des Monats im Mittelpunkt: „Der Euro gerät immer mehr unter Druck. Die Rufe nach der D-Mark werden lauter. Reicht die Krisenkommunikation der Bundesregierung aus?“ „Welche Krisenkommunikation?“ fragen sogar einige der Befragten.

„Verunsicherte Bürger, mangelnde Transparenz und fehlende Glaubhaftigkeit der Politiker, das sind große Herausforderungen für Kommunikation in der Krise“, so Claudio Montanini, Präsident des Marketing Club Frankfurt. Krisenkommunikation sollte von vertrauensbildender Offenheit geprägt sein. Pro-aktiv werden, aufklären, nur so kann man Themen wie der D-Mark-Diskussion begegnen. Die Bundesregierung muss schnellstmöglich aus der Rolle des Reagierenden heraus kommen, um der Gesellschaft das Vertrauen in den Euro zurück zu geben.“

Auch die allgemeine Einschätzung der befragten Experten zur Lage ihrer Branche, die als Frühindikator gesamtwirtschaftlicher Entwicklungsprozesse dient, hat sich im Mai – passend zum schlechten Wetter – mit 38 Punkten etwas eingetrübt (April: 45 Punkte). Gemessen wird der Wert auf einer Skala von minus bis plus Hundert. Dabei zeigt sich im Mai eine homogene Einschätzung von Auftraggeber- und Auftragnehmerseite.

Gerade in Bezug auf die Einschätzung der derzeitigen Geschäftslage im eigenen Unternehmen gibt es eine deutliche Verlagerung von „gut“ zu „befriedigend“. Insofern dürften die Ergebnisse des Marketing Barometer für den Juni besonders spannend werden.

 

Ausführliche Informationen zum Marketing Barometer gibt es bei: HORIZONT.

Fachliche Beratung und Konzeption: Dr. Ottmar Franzen, Konzept & Markt GmbH.

Das letzte Marketing Barometer finden Sie im Archiv.

 


Detailauswertung mit Auftraggeber- und Auftragnehmer-Index

Marketing Barometer Mai 2010 Frage des Monats Antwort Prozent
Gesamt-Index 38 Alle Befragten JA
NEIN
26%
74%
Auftraggeber-Index 37 Auftraggeber JA
NEIN
18%
82%
Auftragnehmer-Index 39 Auftragnehmer JA
NEIN
31%
69%

Hier die Werte im Einzelnen:

 

Total:

Wie beurteilen Sie die derzeitige Geschäftslage in Ihrem Unternehmen?
gut 41% befriedigend 52% schlecht 7%

Wie schätzen Sie Ihre Erwartungen hinsichtlich der Marketing-Investitionen bei Ihren
Auftraggebern / Ihrem Unternehmen ein?

gut 32% befriedigend 61% schlecht 7%

Wie schätzen Sie die zukünftige Geschäftsentwicklung
Ihres Unternehmens ein?

gut 60% befriedigend 36% schlecht 4%



Frage des Monats

„Der Euro gerät immer mehr unter Druck. Die Rufe nach der D-Mark werden lauter. Reicht die Krisen-Kommunikation der Bundesregierung aus?““

Ausgewählte Antworten der Marketing-Experten:

"Nein, die Bundeskanzlerin blass und durch die NRW-Wahl angeschlagen, der Bundesfinanzminister krank und unter Deck, und das restliche Führungspersonal schweigt... Krisenkommunikation sieht anders aus. Es fehlt die Führung, auch solchen abstrusen Vorschlägen wie der (Wieder-)Einführung der D-Mark entgegen zu treten."

Christian Holst, Leiter Dialog Forschung, Siegfried Vögele Institut

"Nein, die Politiker lassen sich von den Spekulanten einfach treiben. Da stellt ich mir schon die Frage nach den Machtverhältnissen im Staat...."

Werner Bittner, Managing Director, zero eins GmbH

"Welche Krisen-Kommunikation?"

Ulrich Schalt, Geschäftsführender Gesellschafter, Hoffmann Schalt & Cie. GmbH

"Nein, Krisen entstehen durch Ängste im Kopf eines Ängstlichen. Hilft hier Kommunikation von außen?"

Ludwig Hoos, Inhaber, Ludwig Hoos Ideen & Produkte

"Nein, Die Regierung taktiert, um Ihre Reputation zu schonen. Eine transparentere, faktenorientierte Kommunikation wäre hilfreich, um das Vertrauen in die Politik und deren Aktivitäten zu erhöhen und die Verunsicherung der Bürger zu lindern."

Anna Christina Reichert, United Internet Media AG

"Objektiv betrachtet, gibt es (noch) kein Währungproblem. Warum also die Pferde scheu machen? Diskussionen könnten die Stimmung verschlechtern, Angst machen und eine Flucht aus dem Euro auslösen - und dann gäbe es ein Währungsproblem."

Anette M. Quentel, Partnerin, Fremde Federn · Köddermann & Quentel GbR

"Nein, Welche Krisenkommunikation? Es wird doch nur kommuniziert wieviele Milliarden Euro warum so wichtig sind. Wie immer: Wäre der Staat ein Unternehmen, dann gute Nacht. Wie wäre es mit vernünftigem Einsparungen?"

Thomas Margraf-Angotti, Inhaber, tma pure werbeagentur | internetagentur

"Nein, Information statt Agitation muss die Leitlinie der Kommunikation zum Thema Währungsunion sein. Wenn jeder, der sich berufen fühlt nach der rückkehr in vergangene Verhältnisse rufen darf, ist das Chaos vorprogrammiert. Die EZB muss sich sowohl finanztechnisch als auch kommunikativ um den Euro kümmern. Wir Werber sind da gern behilflich.."

Martin Schitto, Geschäftsführer, Schitto Schmodde Werbung GmbH

"Nein, weil die Regierung bislang nicht wirklich vermitteln konnte, worin der wirkliche Wert des EURO liegt und was der "kleine Mann" davon hat."

Karl-Heinz Behrens, Inhaber / Geschäftsführer, Büro für Verlagsmanagement & Medienmarketing

"Nein, Solange die Bundesregierung im Alleingang Maßnahmen zur Stabilisierung in Europa betreibt, ist das Placebo. Für einen echten Stabilisierungskurs muss Europa an einem Strang ziehen und gemeinsam Wege finden, dem Euro eine Zukunft zu sichern."

Benjamin Panther, Studentensprecher

"Nein, welche Krisen-Kommunikation? Mir scheinen alle politischen Akteure von der Geschwindigkeit und Komplexität der Ereignisse überfordert.  Hier wird überwiegend nur noch re-agiert und kaum noch pro-agiert.."

Dirk Frank, Managing Director, ISM Global Dynamics

"Ja, vieles wird durch die Medien über-/getrieben - alles muss man (die Politik) aber nicht kommentieren.."

Martin Jacobi, Geschäftsführer, EGRO Direktwerbung GmbH

"Immer mehr Märkte der EU geraten in Schierigkeiten, es kann nur eine Gesamt EU-Lösung via Brüssel gefunden werden, ansonsten ist der Euro gescheitert.."

"Nein, die Krisenkommunikation war von taktischen Manövern beherrscht. Krisenkommunikation sollte von vertrauensbildender Offenheit geprägt sein. Weder die Wahl in NRW noch die weiterhin agierenden Spekulanten ließen viel Raum für Transparenz.."

Oliver Harmel, Alliance Director Europe, NTT Europe Online

"Nein, die Zusammenhänge der Währungsunion sind der breiten Bevölkerung bis heute nie ganz klar gewesen.
Und das, obwohl gerade Deutschland einer der Hauptprofiteure des Euros ist. Schon die falsche Gleichsetzung Europa= Euro ist ein Kommunikations GAU! Der Euro ist viel durchdachter als es die EU burokratie sein könnte. Der Euro ist ein gutes Produkt - unter Wert verkauft.."

Holger Suerken, Leiter Marketing, Frankfurt School of Finance & Management

"Ja, trotz Krise zum Euro gibt es keine Alternative. Der Euro ermöglicht wirtschaftliches Wachstum und Stabilität in Europa"

Christoph Fay, Leiter Konzern Hochschulmarketing, Deutsche Lufthansa AG

"Nein, zu wenige Profis am Werk und zu viele Menschen, die meinen etwas sagen zu müssen, ohne Ahnung zu haben. Weniger ist mehr!."

Beate Hofmann, Gesellschafterin, Strategiesalon GmbH

"Nein, die Vorteile des Euros für die Deutsche Wirtschaft auf der direkten monetären Ebene ist in den Köpfen der Menschen nicht präsent. Die Deutsche Wirtschaft profitiert massiv vom Euro."

Tobias Kirchhofer, Geschäftsführer, BlueMars

"Nein, die (nationale) Kommunikation für Europa ist immer noch in der Pilotprojektphase. Dabei gibt es doch einen echten USP zu kommunizieren! "

Markus O. Huber, Leiter Innovation und neue Geschäftsfelder, Rhein-Main Verkehrsverbund GmbH

"Die Rufe nach der D-Mark sind rein populistich und schwachsinn."

Woldemar Mühlenkamp, Global Sales Manager, globalmobility GmbH

"Nein, der Eindruck der Handlungsunfähigkeit und der Qualifikation der Minister gerät immer mehr in Frage. Dieser Zustand wird verstärkt durch unqualifizierte Aussagen bzw. Handlungen. Dies hat Auswirkung auf den Markt. ."

"Nein, der Spekulation muß -leider-durch gesetzgeberische Maßnahmen Einhalt geboten werden, da die Banken es von sich aus nicht tun werden. Außerdem ist die Spekulation gegen das Gemeinwohl zu unterbinden."

RA Habbo Lolling, Anwaltskanzlei

"Nein, es fehlt zur Zeit generell eine klare Kommunikation, und das nicht nur hinsichtlich des Euros. Aktuelle Krisen werden bearbeitet, aber wo ist die proaktive Führung unseres Landes?"

Janet-Cosima Timmerberg, B2B Consulting & Coaching

"Nein, der EURO hat seine erste große Bewährungsprobe - es gibt keinen Weg zurück und dieses sollte auch so konsequent kommuniziert werden. "

Jörn Eickholt, Inhaber, Eickholt Consulting

"Nein, die Lösungen der Bundesregierung werden nicht so kommuniziert, dass der normale Bürger die Entscheidungen auch richtig versteht und einordnen kann."

Dipl.-Ing. Peter Bauditz, Unternehmensberater, Bauditz-Consult

"Nein, kaum einer versteht, was an den Finanzmärkten gerade passiert und wie Lösungs-Szenarien aussehen können und sollen. Leider gilt dies vermutlich auch für die meisten Beteiligten Politiker."

Gunnar Wöbke, Gesellschafter / Geschäftsführer, SKYLINERS GmbH / DEUTSCHE BANK SKYLINERS

Über das Frankfurter Marketing Barometer®:

Seit vielen Jahren dienen Indices zum Geschäftsklima der Bewertung der Konjunktur. Ihre Relevanz gewinnt insbesondere in wirtschaftlich unsicheren Zeiten an Bedeutung.

Als Marktführer innerhalb des Deutschen Marketing-Verbands repräsentieren wir mit unseren knapp 1.000 Mitgliedern, darunter hochkarätige Marketing-Entscheider, Wirtschaftsführer und Multiplikatoren, unsere Branche.

Das Rhein-Main-Gebiet mit der „Marketing-Hauptstadt Frankfurt“ steht darüber hinaus für die wirtschaftsstärkste und international bestens vernetzte Dienstleistungsregion in Deutschland. Mit dem Frankfurter Marketing Barometer® ermittelt der Marketing Club Frankfurt einen Frühindikator für die wirtschaftlichen Erwartungen im Marketing. Marketiers nehmen wirtschaftliche Veränderungen besonders frühzeitig wahr: Beim drohenden Abschwung werden als erstes die Marketing-Budgets gekürzt, beim zarten Aufschwung florieren die Marketing-Investitionen – Marketiers sind Seismologen der Wirtschaft.

Die Idee besteht darin, die Marketingkonjunktur als Frühindikator wirtschaftlicher Prosperität zu deuten. Dabei unterscheiden wir zwischen Marketing-Auftraggebern und -Auftragnehmern. Zusätzlich zur Abfrage der Wirtschaftsstimmung bzw. -erwartung stellen wir eine aktuelle Frage zu einem Tagesthema. Als Medienpartner für die Veröffentlichung des Marketing Barometer konnten wir HORIZONT gewinnen, die das Thema auch redaktionell aufbereiten. Die Umfrage findet einmal im Monat online statt und dauert nicht länger als eine Minute.


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