Marketing Barometer Juli 2010
Marketing-Wetter sommerlich-sonnig – solange keine Krise droht
Frankfurter Marketing-Barometer zeigt weiter Spitzenwerte / Marketing-Experten sind sich bei aktueller Frage einig: Unternehmen vernachlässigen Krisen-Kommunikation

100 Prozent Einigkeit bei Auftragnehmern und Auftraggebern – das gab es bei der monatlichen Marketing-Barometer Umfrage des Marketing Club Frankfurt noch nie. Entsprechend deutlich fällt damit auch das Votum der Experten zur Marketing-Stimmung aus. Wie bereits im Juni herrscht mit konstanten 47 Punkten weiterhin beständiges Hochsommerwetter. Sonne also nicht nur draußen, sondern auch in den Köpfen der Marketing-Experten. Damit bleibt die Stimmung unverändert positiv.
Die Einschätzungen der derzeitigen Geschäftslage mit der Bewertung „gut“ sind nicht ganz so stark ausgeprägt wie im Vormonat, aber gleichzeitig bewertet kaum jemand die Situation seines Unternehmens als „schlecht“. Hinsichtlich der Erwartungen in Bezug auf die Marketing-Investitionen und die zukünftige Geschäftsentwicklung hat sich die pessimistische Einschätzung komplett verabschiedet. Hoffen wir also auf eine unverändert positive Stimmung im Herbst – mit entsprechend guter wirtschaftlicher Entwicklung für das Marketing!
Auf die Frage des Monats: „Der Untergang der Bohrplattform Deepwater Horizon droht auch den BP-Konzern mit sich zu reißen. Sind Unternehmen in Ihrer Kommunikation auf Krisen solchen Ausmaßes hinreichend vorbereitet?“ haben die Marketing-Experten überwiegend nur eine Antwort. Wenn eine Krise kommt, sind die Kommunikationsabteilungen der Unternehmen momentan nicht in der Lage, hinreichend zu reagieren. Es gibt noch einiges zu tun, um das Bewusstsein für eine entsprechende Vorsorge zu schärfen.
„Getreu dem Motto ‚Die Feuerwehr kommt erst dann wenn es brennt’ handeln die meisten Unternehmen in der Krisenprävention nachlässig. Dabei lässt sich die Kommunikationskrise durchaus vermeiden und ein damit verbundener Imageschaden abwenden oder zumindest abmildern“, so Claudio Montanini, Präsident des Marketing Club Frankfurt. „Wichtig ist, dass Unternehmensleitung und Kommunikationsverantwortliche aus der BP-Krise lernen und für den Ernstfall vorbereitet sind.“
Ausführliche Informationen zum Marketing Barometer gibt es bei: HORIZONT.
Fachliche Beratung und Konzeption: Dr. Ottmar Franzen, Konzept & Markt GmbH.
Das letzte Marketing Barometer finden Sie im Archiv.
Detailauswertung mit Auftraggeber- und Auftragnehmer-Index
| Marketing Barometer | Juli 2010 | Frage des Monats | Antwort | Prozent |
|---|---|---|---|---|
| Gesamt-Index | 49 | Alle Befragten | ja nein |
2% 98% |
| Auftraggeber-Index | 55 | Auftraggeber | ja nein |
0% 100% |
| Auftragnehmer-Index | 43 | Auftragnehmer | ja nein |
5% 95% |
Frage des Monats
„ Der Untergang der Bohrplattform Deepwater Horizon droht auch den BP-Konzern mit sich zu reißen. Sind Unternehmen in Ihrer Kommunikation auf Krisen solchen Ausmaßes hinreichend vorbereitet?“
Ausgewählte Antworten der Marketing-Experten:
„schlechtes Krisenmanagement, keine proaktive Kommunikation“
Tatjana Steusloff, Marketingberaterin und Dozentin, Tatjana Steusloff Marketing & Moderation
„Deepwater Horizon ist ein typischer "Schwarzer Schwan". Keiner hat die Explosion, das Austreten einer derart großen Menge von Öl und das technische Problem der Bohrlochabdichtung und damit auch die Folgen für den Konzern vorausgesehen, sonst hätte man die entsprechenden technischen Maßnahmen im Vorfeld ergriffen. Warum sollte man sich dann auf die mit dem nicht vorausgesehenen Problem verbundene Kommunikation vorbereitet haben?“
Karl-Ulrich Schweizer, Geschäftsführender Gesellschafter, netucate systems GmbH
„Das unternehmerische Credo ist heute immer noch interne Kosteneffizienz und Shareholder Value. Dadurch verengt sich der Blick und es entstehen spontane Herausforderungen, für die es in vielen Organisationen keine Handlungserfahrungen gibt.“
Tobias Kirchhofer, Geschäftsführer, BlueMars
„Das Problem ist weniger die Vorbereitung als die Grundhaltung, die Ethik von Managern und ihr Verhalten in solchen Krisen. Oft werden die Corporate Values (s. homepage von BP) nicht wirklich gelebt. Wir brauchen mehr Manager, die die Werte leben und in Krisen mit vollem eigenen Risiko zu Ihrer Verantwortung stehen und weniger Egoisten die in der Öffentlichkeit um ihr Leben jammern ("I want my life back") und mit einer skandalösen Abfindung an anderer Stelle wieder auftauchen. Der Markt wird das, wie immer, auch für BP regeln. “
„Dies ist für das Unternehmen eine der größten Krisen in der Wirtschaftsgeschichte. Das ganze Verhalten des Konzerns zeigt, dass es hierfür keinen Krisenplan gab. Davon können andere Unternehmen nur lernen. Das Thema Krisenkommunikation muss auf die Agenda.“
Eugen Kern, Geschäftsführer, G2 Germany GmbH
„Eine Krise wird zur Krise weil die Krise oft unvorbereitet wie ein Unwetter kommt. Und dann wird aus der Krise schnell eine Katastrophe.“
Werner Bittner, Managing Director, zero eins GmbH
„es wäre vor allen dingen gut, wenn die unternehmen technologisch auf diese art von krisen vorbereitet wären. dann wäre die kommunikationsfrage sekundär.“
Martin Schitto, Geschäftsführer, Schitto Schmodde Werbung GmbH
„Selbst große Unternehmen haben Schwierigkeiten in der Kommunikation von Krisen. Meiner Meinung nach ist Glaubwürdigkeit wichtig. Allerdings läßt sich nur durch Kommunikation auch eine Krise nicht meistern (siehe BP, Apple, Toyota). Es gehört auch ein entsprechendes Handeln dazu (zugegebenermaßen bei BP gab es auch ziemliche technische Hürden zu überwinden, bei Apple war es nur der Wille etwas zu tun).“
Jörn Eickholt, Inhaber, Eickholt Consulting
„Unternehmen fehlt häufig die Moral um solchen Ereignissen vorzubeugen, denn dass kostet schließlich sehr viel Geld. Noch ist der Profit höher zu bewerten als die öffentliche Wahrnehmung. Und solange der Gesetzgeber keine Vorgaben macht wird sich dies auch nicht ändern.“
Woldemar Mühlenkamp, Global Sales Manager, globalmobility GmbH
„Sie wollen keine Öffentlichkeit, lieber vertuschen. Seit Jahren geht mindestens jedes Jahr eine Bohrinsel in die Luft und die Öffentlichkeit erfährt davon nichts, nur diesmal konnte man das nicht verheimlichen.“
Dipl-Bw. Kurt Schlieper, Inhaber, SCHLIEPER MARKET SERVICE Inh. Kurt Schlieper Dipl.-Bw.
„Die Frage ist doch, ob Unternehmen technisch darauf vorbereitet sind solche Probleme zu lösen - und nicht sie mit Kommunikation zu "erklären".“
Ulrich Schalt, Geschäftsführender Gesellschafter, Hoffmann Schalt & Cie. GmbH
„Krisen sind immer außerhalb des Tagesgeschäfts - der Apparat zur Imagerettung muss im Krisenfall erst aktiviert werden. Hier geht of zu viel Zeit verloren, was nach außen hin wie Inaktivität aussieht und da Image bereits beschädigt hat. Jedes Unternehmen braucht eine "Reputations-Feuerwehr" für solche Fälle. “
Dr. Ottmar Franzen, Geschäftsführer, Konzept & Markt GmbH
„Es herrscht immer noch der Irrglaube, Menschen würden nicht wahrnehmen und spüren, was richtig und was falsch ist. Eine ehrliche Kommunikation ist äußerst selten. Vielen Persönlichkeiten und Unternehmen fehlt der Schneid und das Verständnis dafür.“
Michael Meckel, Geschäftsführer, Trifels Verlag GmbH
„Nein - darauf kann und sollte kein Unternehmen vorbereitet sein. Präventive Rechtfertigung für Katastrophen mit derartigen Folgen? Das würde bedeuten, den Supergau herbei zu zitieren. Prozesse sollten in ihren 'worst cases' zu Ende gedacht - aber nicht vorbereitet werden.“
Katharina Starlay, Corporate Imageberaterin + Modedesignerin, Starlay Corporate Couture
„Weil sich Unternehmen selten mit dem worst-case Szenario oder dem äußersten beschäftigen und sich darauf vorbereiten wollen. Dazu kommt die Einstellung: "Uns passiert das nie".“
Helmut Schareck, Unternehmenskundenbetreuer, BW-Bank
„Prominente Beispiele zeigen: Firmen mauern lieber statt proaktiv zu kommunizieren und aufzuklären. Das führe ich auf eine fehlende strategisch geplante Krisenkommunikation zurück.“
Bianca Haag, Leitung Marketing und Kommunikation, Frankfurter Societäts-Medien GmbH
„Das Kommunikations-Chaos von BP ht gezeigt, dass man in keinster Weise vorbereitet war“
Albert Klein, Geschäftsführer, InsightOut GmbH
„Wir sind tätig im Bereich des CSR. Wir können nur dazu sagen, dass solche Krisen im Vorfeld zwar nie ausgeschlossen werden können, dass aber die Struktur und die Vorgehensweise im Unternehmen hätte überprüft werden sollen. Hierzu müssen Konsequenzen gezogen werden, da der Schaden irreperabel ist. Dies hat auch zur Folge das ein Unternehmen dann auch dazu stehen muss auch wenn es das "Aus" bedeutet. Hier sind im Vorfeld zu viele Fehler unterlaufen. Social Sponsoring Consulting“
„Krisen dieses Außmaßes waren bisher kaum vorstellbar. Szenarien zur Krisenkommunikation fehlen. Es gibt keine neutralen Analysen und keine konkreten Lösungsansätze zur Bewältigung der Folgeschäden“
Vok Dams, Geschäftsführender Gesellschafter, VOK DAMS GRUPPE Events + Live-Marketing
„Weil sich verantwortliche Manager in Unternehmen, immernoch höchst ungern mit Worst-case Szenarien auseinander setzen und Ressourcen dafür nur schwer "frei zu machen" sind. “
Markus Solmsdorff, Business Development Manager, Postbank P.O.S. Transact GmbH
„Weil diese Krise bisher einzigartig war/ist und in ihrem Ausmaß die Vorstellungskraft aller Beteiligter /Betroffenener gesprengt hat.“
Saskia Winkelmann, Geschäftsführerin, PSM&W Kommunikation GmbH
„Getreu dem Motto "die Feuerwehr kommt erst dann wenn es brennt" handeln die meisten Unternehmen in der Krisenprävention nachlässig. Dabei lässt sich die "Kommunikationskrise" durchaus vermeiden und ein "Imageschaden" abwenden oder zumindest abmildern.“
Claudio Montanini, Geschäftsführer, PSM&W Kommunikation GmbH
Leserkommentare (0)
Über das Frankfurter Marketing Barometer®:
Seit vielen Jahren dienen Indices zum Geschäftsklima der Bewertung der Konjunktur. Ihre Relevanz gewinnt insbesondere in wirtschaftlich unsicheren Zeiten an Bedeutung.
Als Marktführer innerhalb des Deutschen Marketing-Verbands repräsentieren wir mit unseren knapp 1.000 Mitgliedern, darunter hochkarätige Marketing-Entscheider, Wirtschaftsführer und Multiplikatoren, unsere Branche.
Das Rhein-Main-Gebiet mit der „Marketing-Hauptstadt Frankfurt“ steht darüber hinaus für die wirtschaftsstärkste und international bestens vernetzte Dienstleistungsregion in Deutschland. Mit dem Frankfurter Marketing Barometer® ermittelt der Marketing Club Frankfurt einen Frühindikator für die wirtschaftlichen Erwartungen im Marketing. Marketiers nehmen wirtschaftliche Veränderungen besonders frühzeitig wahr: Beim drohenden Abschwung werden als erstes die Marketing-Budgets gekürzt, beim zarten Aufschwung florieren die Marketing-Investitionen – Marketiers sind Seismologen der Wirtschaft.
Die Idee besteht darin, die Marketingkonjunktur als Frühindikator wirtschaftlicher Prosperität zu deuten. Dabei unterscheiden wir zwischen Marketing-Auftraggebern und -Auftragnehmern. Zusätzlich zur Abfrage der Wirtschaftsstimmung bzw. -erwartung stellen wir eine aktuelle Frage zu einem Tagesthema. Als Medienpartner für die Veröffentlichung des Marketing Barometer konnten wir HORIZONT gewinnen, die das Thema auch redaktionell aufbereiten. Die Umfrage findet einmal im Monat online statt und dauert nicht länger als eine Minute.






