Marketing Barometer "3. Quartal 2011"
Marketiers stehen Rating-Agenturen und Konjunktur-Barometern zweigeteilt gegenüber
Grundstimmung am Marketing-Himmel nach wie vor optimistisch

„Rating-Agenturen und Konjunktur-Barometer: Schaffen sie mehr Verunsicherung als Klarheit?“ Hierzu hat die Marketing-Community eine geteilte Meinung. Mehr als die Hälfte der Befragten tendieren dazu, den Nutzen von Rating-Agenturen und Konjunktur-Barometern eher als zweifelhaft zu sehen. Dabei sind die Auftragnehmer in ihrer Beurteilung noch etwas kritischer als die Auftraggeber. Es wird deutlich, dass den Konjunktur-Barometern eine objektivere Bewertung der wirtschaftlichen Lage zugetraut wird als den Rating-Agenturen. Bei diesen wird außerdem mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit für die Rating-Einstufung eingefordert.
Claudio Montanini, Präsident des Marketing Club Frankfurt, kommt zu dem Ergebnis, dass sowohl Rating-Agenturen als auch Konjunktur-Barometer durchaus ihre Berechtigung haben, aber nicht als das Maß aller Dinge bei der Bewertung der wirtschaftlichen Situation gesehen werden soll: „Beide helfen bei der Meinungsbildung – nicht mehr, aber auch nicht weniger.“
Bei der Auswertung des Marketing Barometers im Einzelnen konnte bei der Einschätzung von Geschäftslage und Geschäftsentwicklung eine leichte Tendenz nach unten festgestellt werden, die grundsätzlich aber noch immer als positiv zu bewerten ist. So beurteilen die Marketiers ihre Geschäftslage nicht mehr ganz so „gut“, ein leichter Anstieg bei „befriedigend“ und bei „weniger gut“ ist zu verzeichnen.
Nach wie vor werden von rund 80 Prozent der Befragten tendenziell gleich bleibende oder steigende Marketing-Aufwendungen erwartet. Trotz dieser insgesamt optimistischen Einschätzung rechnen aber 16 Prozent mit einem Fallen der Budgets.
Der durchschnittliche Barometerwert fällt im 3. Quartal mit einem Wert von 24 um sechs Indexpunkte niedriger aus als im Quartal 2. Die Stimmung ist aber noch immer optimistisch. Auffällig ist, dass der Index für die Auftragnehmer um zehn Indexpunkte gesunken ist. Die Auftraggeber haben die Abkühlung der Konjunktur früher kommen sehen als die Auftragnehmer – oder anders gesprochen: Im Agenturgeschäft war noch im Frühsommer eine hohe Auslastung zu spüren.
Detailauswertung mit Auftraggeber- und Auftragnehmer-Index
| Marketing Barometer | "3. Quartal 2011" | Frage des Monats | Antwort | Prozent |
|---|---|---|---|---|
| Gesamt-Index | 24 | Alle Befragten | ja nein |
55% 45% |
| Auftraggeber-Index | 23 | Auftraggeber | ja nein |
46% 54% |
| Auftragnehmer-Index | 24 | Auftragnehmer | ja nein |
60% 40% |
Frage des Monats
„„Ratingagenturen und Konjunkturbarometer: Schaffen Sie mehr Verunsicherung als Klarheit?““
Ausgewählte Antworten der Marketing-Experten:
„Ratingagenturen haben sich in den letzten Monaten wenig glaubhaft als "neutrale" Experten gezeigt. Konjunkturbarometer haben inzwischen den Charakter von sich selbst erfüllenden Prophezeiungen......Der richtige Weg: Ärmel aufkrempeln, Dinge bewegen. Und: Allen Politikern ein Interviewverbot erteilen bis sie mal mit konstruktiven Lösungen kommen! “
„Da der Prozess, inkl. welche Parameter zur Beurteilung verwandt werden, nicht bekannt ist, tragen neg. Prognosen und Abwertungen nicht zu einem besseren Verständniss bei, sondern eher zur Verunsicherung bezüglich der zu erwartenden Entwicklungen und Auswirkungen auf die eigene Situation ("Was heißt das konkret, welche Auswirkungen hat es auf die Wirtschaft, meine Branche, meine Firma ?"). Zudem lehrt die Erfahrung, dass neg. Prognosen und Abwertungen allein aufgrund der Nachricht bzw. medialen Verbreitung derselben einen neg. Trend überhaupt erst in Gang setzen oder verstärken können(Selffullfilling Prophecies).“
Stefan Bauer, Leiter TGI Germany, TGI Europa, Kantar Media
„Rating-Agenturen bewerten lediglich die Folgen einer teils fatalen Politik. Für die Verunsicherung sind die politischen Rahmenbedingungen verantwortlich.“
Thimo Schwenzfeier, PR&Marketing Manager, NEINVER Asset Management Deutschland GmbH
„Als Frühindikatoren geben Sie wichtige Impulse für die Unternehmensplanung. Und fast immer liegen sie ja auch richtig. Allerdings sollten Ratingagenturen transparenter arbeiten und ihre Urteile besser begründen.“
Dr. Ottmar Franzen, Geschäftsführender Gesellschafter, Konzept & Markt GmbH
„Mit Meldungen werden Stimmungen erzeugt die teils irrationale Auswirkungen haben.“
Michael Berger, Geschäftsführer, das Team Agentur für Marketing GmbH
„Wenn das Ganze wirklich faktenorientiert ist, die Politik endlich konsequent die Schulden abbaut und die Medien aufhören eine weitere Krise herbei zu schreiben. “
Albert Klein, Geschäftsführer, InsightOut GmbH
„Wenn man die Marktfunktion und die Struktur dieser Institutionen versteht, kann man die Resultate auch gut einschätzen. Leider kommen Urteile mit einem erheblichen Zeitverzug zustande, d.h., sie dienen nicht als Frühwarnsystem. Aber genau dieses wäre für die nationale und internationale Wirtschaft wichtig und diente eher der Orientierung denn der Verwirrung!“
Martina Heuser, Geschäftsführung, Focustom
„Feedback ist immer wichtig - nichts anderes machen Ratingagenturen! Auch die Berücksichtigung der Stimmung und eine Vorschau ist notwendig. Nichts anderes ist ein Konjunkturbarometer. Nur die Gläubigkeit daran sollte mal überprüft werden! Denn es ist jeweils nur ein Entscheidungsparameter.“
Herbert H. May, CEO und Berater, Trainer & Coach , MayTraining
„Das Problem der Ratingagenturen besteht meiner Ansicht nach darin, dass sie rein privater Natur sind und ihre eigenen Geschaeftsinteressen verfolgen und damit nicht mehr neutral sind. Ich plaediere eindeutig dafuer, Konkurrenz fuer alle privaten Ratingagenturen zu schaffen, z.B. durch eine eigene Europ. Ratingagentur, die mit Finanzmitteln der EU gegruendet wird.“
Peter Schierenbeck, Managing Director, Conimex International OHG
„Informationen sind gut, es gilt sie im richtigen Kontext zu bewerten. Hier ist jeder sich selbst Meister der Bewertung und muß sein persönliches Fazit im Kontext der eigenen Prämissen ziehen.“
Dipl.-Kfm. Ramona Qualitz, Senior Online Manager, T-Systems International GmbH
„Da Unternehmen durch Ratingagentueren gezielt schlecht gemacht werden können.“
Franz Schmitt, Gewerbeberater, Wirtschaftsförderung Frankfurt
„weil es ohnehin schon eine Reitz Überflutung von "echten" Informationen gibt und der Verbruacher in der Regel nicht diferenziert welche für ihn nun wichtig(er) ist“
Chris Watty, Inhaber, First Finanz
„Beide helfen bei der Meinungsbildung - nicht mehr, aber auch nicht weniger.“
Claudio Montanini, Geschäftsführer, PSM&W Kommunikation GmbH
„Ob ja oder nein, ist abhängig von dem individuellen und medialen Umgang damit. Leider wird zu oft zuviel Hektik und Hysterie ausgelöst, statt es als Prognosen zu betrachten - die eintreffen können oder auch nicht.“
Beate Hofmann, Gesellschafterin, Strategiesalon GmbH
„man muß die dinge beim namen nennen und sich darauf einstellen,ohne in panik zu verfallen.“
RA Habbo Lolling, Anwaltskanzlei
„Die Ratings/Barometer basieren nur auf einigen wenigen, meist finanziellen Parametern, aber Wirtschaftsentwicklung beruht auf viel mehr Facetten im Zusammenspiel zwischen Kopf und Bauch.“
Kai Keller, Inhaber, Keller´s Markenberatung
„Ratingagenturen schaffen Transparenz und zeigen -fast immer- die Risiken auf. Ohne Ratingagenturen würde die dynamsiche wachsende Finanzbranche und die wunderbare Vermehrung des Geldes zu noch größeren Problemen führen. Wir brauchen insgesamt mehr Transparenz und Riskoaffinität beim Geld.“
Christoph Fay, Leiter Konzern Hochschulmarketing, Deutsche Lufthansa AG
„...weil für mich die Einflussmöglichkeiten verschiedener Lobbyisten nicht einsehbar ist. Und damit die Unabhängigkeit unklar ist.“
Ludwig Hoos, Inhaber, Ludwig Hoos Ideen & Produkte
„Die Ratingagenturen haben das ganze Debakel der Subprimekrise übersehen und benutzen jetzt ihre angebliche Macht für Öffentlichkeitsarbeit.“
Werner Bittner, Managing Director, zero eins GmbH
„Weil sie für permanente Unruhe sorgen und sich die Märkte nicht erholen können.“
Saskia Winkelmann, Geschäftsführerin, PSM&W Kommunikation GmbH
„Ratingagenturen bilden die spekulativen Einschätzungen der institutionellen Anleger ab und verstärken sie gleichzeitig. Sie sind die Ursache für unkontrollierbare Kettenreaktionen. Konjunkturbarometer haben diesen Effekt weniger.“
Walter Lulay, Geschäftsführer, SMR Solid Marketing Research
„Sie agieren meist nach objektiven Kriterien und handeln nicht nach belieben. Sie können nicht alle Aspekte berücksichten, aber die Ursachen für herabstufungen liegen eindeutig woanders.“
Timo Mussler, Mussler Communication
„Ratingagenturen und Konjunkturbarometer versuchen nur den Markt abzubilden, sie sind nicht der Auslöser sondern der Überbringer der Nachricht.“
Stephan Huthmann, Gechäftsführer, X-CITE Promotion & Event GmbH
„Sie schüren Angst, statt Lösungen zu bieten. Die Finanzwelt sollte mal darüber nachdenken, welche Verantwortung sie im Gesamtrahmen einer Nation haben.“
Bernd Adams, Managing Director Frankfurt, J. Walter Thompson GmbH
„Man hat schon mehrfach gesehen, welche Konsequenzen negative Bewertungen von Ratingagenturen nach sich ziehen – sowohl für kleine Firmen, als auch für größere und nun auch für Länder. Der normale Bürger bekommt zuerst die Auswirkungen zu spüren und fühlt sich mittlerweile fremdbestimmt, weil keine klare Kommunikation ihm vermittelt, dass auch Ratingagenturen von Nutzen sein können. Er weiß nicht, ob diese Agenturen selbst auch kontrolliert werden, d.h., dass sie nicht einfach Bewertungen nach Gutdünken abgeben können oder Marionetten von irgendwelchen Lobbyisten sind. Zudem verunsichert noch die Tatsache der Größe dieser Agenturen – will sagen, dass 3 bis 4 große das Zünglein an der Waage spielen können.“
Silvia Weinert, Inhaberin/ Geschäftsführerin, Alias Werbung · S. Weinert · J. Hecktor GbR
„Weil Sie Diskussionen entfachen und eine Prüfung/Hinterfragung der Ergebnisse einfordern. Klarheit wird durch tiefgründige Betrachtung ermöglicht bzw. gefördert. Ein Mehr an Auseinandersetzung führt zu besserer Kenntnis und damit Sicherheit im Bezug auf zukünftige Entscheidungen.“
Lars Leyendecker, PR & Marketing Manager, Dr. Broermann Hotels & Residences GmbH
„Die Vergangenheit zeigt, dass die Ratio aussetzt, wenn eine der Ratingangenturen für Marktverunsicheurng sorgt. Konjunkturbarometer sind eher eine Momentaufnahme und eine Orientierungshilfe.“
Eugen Kern, Geschäftsführer, G2 Germany GmbH
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Über das Frankfurter Marketing Barometer®:
Seit vielen Jahren dienen Indices zum Geschäftsklima der Bewertung der Konjunktur. Ihre Relevanz gewinnt insbesondere in wirtschaftlich unsicheren Zeiten an Bedeutung.
Als Marktführer innerhalb des Deutschen Marketing-Verbands repräsentieren wir mit unseren knapp 1.000 Mitgliedern, darunter hochkarätige Marketing-Entscheider, Wirtschaftsführer und Multiplikatoren, unsere Branche.
Das Rhein-Main-Gebiet mit der „Marketing-Hauptstadt Frankfurt“ steht darüber hinaus für die wirtschaftsstärkste und international bestens vernetzte Dienstleistungsregion in Deutschland. Mit dem Frankfurter Marketing Barometer® ermittelt der Marketing Club Frankfurt einen Frühindikator für die wirtschaftlichen Erwartungen im Marketing. Marketiers nehmen wirtschaftliche Veränderungen besonders frühzeitig wahr: Beim drohenden Abschwung werden als erstes die Marketing-Budgets gekürzt, beim zarten Aufschwung florieren die Marketing-Investitionen – Marketiers sind Seismologen der Wirtschaft.
Die Idee besteht darin, die Marketingkonjunktur als Frühindikator wirtschaftlicher Prosperität zu deuten. Dabei unterscheiden wir zwischen Marketing-Auftraggebern und -Auftragnehmern. Zusätzlich zur Abfrage der Wirtschaftsstimmung bzw. -erwartung stellen wir eine aktuelle Frage zu einem Tagesthema. Als Medienpartner für die Veröffentlichung des Marketing Barometer konnten wir HORIZONT gewinnen, die das Thema auch redaktionell aufbereiten. Die Umfrage findet einmal im Monat online statt und dauert nicht länger als eine Minute.







