Geschichte

1954 – 1959


Wir schreiben das Jahr 1954, wir sind mittendrin, in der Wirtschaftswunderzeit. Millionen Menschen waren froh, aus Dreck und Trümmern herausgekommen zu sein. Harte Arbeit war nach der größten Katastrophe, die Deutschland je erlebt hatte, die beste Therapie für ein besiegtes, besetztes und geteiltes Volk. Die Flucht in das Private lag im Trend der Zeit und viele steckten ihre Energie in das eigene Vorwärtskommen und in den Aufbau der Familien. Von der Zukunft erhofften sich viele endlich das persönliche Glück und damit sind die heute oft gescholtenen 50er auch eine Zeit des Aufbruchs und des Lebensmutes gewesen.

Politisch stehen sie im Zeichen Adenauers, der Westorientierung, der Aussöhnung Frankreichs und der verpassten Chancen für ein vereintes Deutschland. 1956 bringt die umstrittene Remilitarisierung, am 2. Januar rücken die ersten 100 freiwilligen Bundeswehrsoldaten ein. Der wirtschaftliche Aufschwung hat Räder, 1955 rollt der millionste Käfer vom Band, der kostete 3.900 Mark, also das 10fache eines Facharbeitermonatslohns. Dennoch, viele kaufen und die PKW-Produktion überholt die von England und Frankreich. 1954 auch das Wunder von Bern. Deutschland wird Fußballweltmeister und in Frankfurt gründen 17 Männer den Verkaufsleiterclub Rhein-Main.

1960 – 1969


Mit der Wende ins neue Jahrzehnt wendet sich manches. Kilius/Bäumler sind Europas Traumpaar auf dem Eis, aber bereits in den späten 50ern bekam die Konsens-Idylle in Deutschland erste Risse. Der Rock’n Roll war lautstark zwischen Eltern und Kinder getreten und Spaltung war auch das Thema der Politik. Am 13. August 1961 verschwindet Ostberlin hinter Mauer und Stacheldraht, die Welt steht sich unversöhnlich in zwei Blöcken gegenüber. Im Osten Deutschlands war 1960 bereits die Landreform abgeschlossen, es gab kaum noch private Flächen, alles gehörte den staatlichen LPGs. Dem Westen tat es da gut, dass John F. Kennedy am 26. Juni 1963 „ich bin ein Berliner“ sagte und damit für viele zum Garant der Freiheit wurde.

Im gleichen Jahr ereignete sich das Wunder von Lengede, nach 2 Wochen konnten 11 verschüttete Kumpel befreit werden. Maß halten, das wollte Ludwig Erhard als 2. Kanzler der Bundesrepublik. Als Ökonom der Schmied des Wirtschaftswunders, fehlte ihm als Kanzler jenes Quäntchen Machiavelli, er galt stets als „der gute Mensch vom Tegernsee“. In der Gesellschaft brodelt es. Den Muff aus tausend Jahren, den wollten Studenten jetzt auf Straßendemonstrationen austreiben. Die politische Landschaft in Westdeutschland verändert sich und eine große Koalition versucht das Gegensteuern. Im Marketing Club in Frankfurt hatte man bereits 1963 der Jugend ihre eigene Chance eingeräumt und mit dem Juniorenkreis eine Kommunikationsplattform für den Führungsnachwuchs bereitgestellt.

1970 – 1979


Im Rückblick auf das vorangegangene Jahrzehnt zeigen sich die Herausforderungen der 70er. Der Welt war vieles gelungen und gleichzeitig galt es, noch vieles zu erreichen. Die Amerikaner hatten Menschen auf den Mond gebracht und waren doch tief in einen Krieg in Südostasien verstrickt. Mit den Fußstapfen von Neil Armstrong hatte man pünktlich zum Schluss der 60er Jahre den Wettlauf auf diesem Gebiet mit dem Osten gewonnen. Militärisch rüsteten beider Blöcke aber massiv auf. Da ist es der neue deutsche Kanzler Willy Brandt, der mit seinem Kniefall in Polen für Westdeutschland die Versöhnung mit dem Osten einleitet. Im Inneren verschärft sich die Lage, die Baader-Meinhof-Gruppe verübt Terror mit Brand- und Mordanschlägen.

Ölkrise und Sonntagsfahrverbot, das Land der Automobilisten stieg aufs Fahrrad um. Die Olympischen Spiele in München beginnen „Hoch auf dem gelben Wagen“, mit einem singenden Bundespräsidenten Walter Scheel, und enden in einem schwarzen Tag. Und 20 Jahre nach dem Wunder von Bern schafft es die deutsche Fußballnationalmannschaft erneut, Weltmeister zu werden. Ein Jahrzehnt der deutlich gemischten Gefühle. Im Fernsehen springt Hans Rosenthal nach oben, denn das war „Spitze“, im Kino fließen in Love Story Tränen, denn das Schicksal kann so grausam sein. In Frankfurt wächst der Marketing Club kontinuierlich, er bekommt ein erstes ehrenamtliches Clubsekretariat und mit dem Deutschen Fachverlag auch ein großzügiges Domizil.

1980 – 1989


Volksliebling, ein Auto wird zum Symbol eines Jahrzehnts. Der Golf II bevölkert die Verkehrswege des automobilen Westdeutschlands. Nachdem der Käfer von asiatischer Konkurrenz verdrängt worden war, hatte er jetzt einen Nachfolger gefunden. An die Kontinuität der frühen Jahre wollte auch ein Politiker anknüpfen, Helmut Kohl startete im Oktober 1982 nach einem konstruktiven Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt seinen Weg. Er hatte anfangs deutlich im Schatten seines populären Vorgängers gestanden, tatsächlich sollte er zum Akteur einer welthistorischen Wende werden, doch dahin war es noch weit. Zu Hause sah man in ihm sehr oft das Provinzielle, auf weltpolitischem Parkett jedoch punktete er.

Punkten konnten in diesem Jahrzehnt auch junge neue Sportler. Ein 17-Jähriger aus Leimen wurde 1985 der jüngste Sieger bei einem Tennisturnier in Wimbledon. Und gleichfalls mit 17 Jahren startete 1987 die Gymnasiastin Claudia Schiffer eine Weltkarriere als Mode-Model. Glasnost und Perestroika, die Reformen in der Sowjetunion verändern die Nachkriegswelt. Der Eiserne Vorhang fällt und im Herbst 1989 erlebt die Welt eine friedliche deutsche Revolution, die zur Wiedervereinigung führt. Der Marketing Club Frankfurt kann 1989 sein 35-jähriges Bestehen feiern, er ist mit 600 Mitgliedern der stärkste Club in Deutschland und darüber hinaus das Vorbild für 41 Marketing Clubs, die nach dieser Idee aus Frankfurt entstanden.

1990 – 1999


Blühende Landschaften, im Osten Deutschlands sollten sie wieder entstehen und die Bundesregierung schickte sich an, die Koffer zu packen. Ziel war die neue Hauptstadt Berlin. Vor den Umzug und das Einpacken der Akten stellte man spektakulär das „Einpacken des Reichstags“. Und so verhüllte Christo 1995 das geschichtsträchtige Symbol, welches noch die Hohenzoller Monarchen dem deutschen Volke verordnet hatten. Doch diejenigen, die die neuen Regierungsbauten in Berlin in Planung gegeben hatten, sollten nicht mehr die zukünftigen Hausherren sein. Im September 1998 beendete ein Rot-Grüner Wahlsieg die Ära Kohl. Eine neue Ära ist indes in diesen Jahren in der deutschen Wirtschaft angebrochen.

Die Computer, und damit die Vernetzung auf der Datenautobahn, waren auf dem Vormarsch. Gab es 1991 nur 7,5 Mio., so standen 1997 bereits 21,3 Mio. PCs in deutschen Büros und Privathaushalten. Die Internetanschlüsse boomten. Von 41.000 im Jahr 1991 auf 930.000 im Jahr 1997. Eine ganze Wirtschaft wurde virtuell. Ein neuer Markt begann sich zu entwickeln. Weltweit wurden Unternehmen scheinbar nicht mehr am Wert ihrer Produktionsstätten und Produktionsmittel gemessen, sondern an der Fähigkeit, überall im Netz präsent zu sein. Für die Börsennotierung entwickelten sich ungeahnte Möglichkeiten, aber auch Risiken. Chancen dagegen nutzte der Marketing Club Frankfurt und wählte erstmals eine Präsidentin an seine Spitze. Mit Gabriele Eick führt eine Frau den traditionsreichsten Marketing Club in einer tradi-tionsreichen deutschen Stadt, die gleichfalls von einer engagierten Oberbürgermeisterin regiert wird.

2000 – 2004


Das Y2K-Problem und damit die Herausforderung, dass alle Computer klugerweise vom Jahr 1999 ins Jahr 2000 springen und nicht zurück nach 1900, es wurde weltweit fast problemlos gelöst. Und weil alles scheinbar so einfach ging, hat die New Economy auch nochmals zusätzliche Schubkraft erhalten. Geld verdienen an der Börse, auch das schien einfacher als der mühselige Weg über die Wertschöpfung durch tatsächliche Arbeit. Das Wunderland existiert aber nur bei Alice, in allen anderen Teilen der Welt klopft die Globalisierung an die Haustür. Arbeitsplätze verlagern sich entlang einer sinkenden Kostenskala, Informationen sind überall und jederzeit erhältlich, im Wettbewerb gewinnen die Schnellen.

Ein zusätzliches Gespenst erhält reale Züge. Kulturen treffen aufeinander und Terror startet ein bislang nicht da gewesenes Vernichtungswerk. Mit den Türmen des World Trade Centers stürzten auch viele Träume einer friedlichen Entwicklung in sich zusammen und das Zusammenstehen gegen mögliche Feinde wird zum leichten Lippenbekenntnis, aber zur schwer realisierbaren Tat. Die Welt ist unsicherer geworden oder vielleicht nur das geblieben, was sie schon immer war. Eine Herausforderung an die Menschen, für sich selbst tagtäglich zu entscheiden, wofür man steht, gut oder böse. Auf jeden Fall fordert es Eigenverantwortung. Die nimmt man auch im Marketing Club in Frankfurt im 50sten Jahr des Bestehens ernst und arbeitet an Ideen für einen friedlichen Wettbewerb im weltweiten Markt.

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Statement des Monats

Frankfurt teilt. Im Oktober. Und der Marketing Club Frankfurt ist mit dabei.

Claudio Montanini

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